flexible Geisteswissenschaftskarrieren ohne WissZeitVG
Es wird immer allgemein von der "Wissenschaft" gesprochen. Es muss hier ehrlicherweise zwischen Natur-, Technik- und Geisteswissenschaften unterscheiden werden. Für die Geisteswissenschaften ist die flexible Gestaltung einer Wissenschaftskarriere viel schwieriger, da die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten nicht als wirtschaftlich verwertbar gelten und der HR-Markt wenig Interesse an Geisteswissenschaftler*innen hat. Hier bräuchte es gezielte Mentoringprogramme oder sogar spezielle Marketing-Kampagnen, die den Transfer von geisteswissenschaftlichem Wissen in andere Berufsfelder sichtbar machen. Positive Beispiele flexibler Wissenschaftskarrieren im geisteswissenschaftlichen Bereich kenne ich nur, wenn die Disziplinen lehramtsfähig sind. Dann kann es schon mal sein, dass jemand nach einer langen Beschäftigung als Lehrer*in zurück an die Universität geht, um z.B. eine Professur für Fachdidaktik anzunehmen. Grundsätzlich halte ich eine Flexibilisierung von Wissenschaftskarrieren erst dann für möglich, wenn das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) aufgehoben wird. Dieses bringt enorm viel Druck für den Aufbau wissenschaftlicher Karrieren, führt zu massiven Drop-Outs und viel Frust aufgrund der "Entweder-Oder-Logik", aber nicht zu einer flexiblen Karrierengestaltung. Generell sind flexible Wissenschaftskarrieren jedoch wünschenswert, um einen kontinuierlichen Austausch zwischen Forschung und Praxiswissen zu gewährleisten, von dem Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen profitieren.